
Helga, 67 · Freiburg · Gemeinschaftsgarten
Ein Beet, das Nachbarn verbindet
Nach vierzig Jahren im Büro blieb Helga ein brachliegendes Stück Wiese hinter dem Haus. Daraus wurde ein Gemeinschaftsgarten, in dem heute zwölf Nachbarn gemeinsam säen, ernten und plaudern.
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Die ersten Wochen nach dem Abschied von ihrem Arbeitsplatz fühlten sich für Helga ungewohnt still an. Der Wecker blieb aus, der Kalender war plötzlich leer. Beim Blick aus dem Küchenfenster fiel ihr das verwilderte Stück Wiese hinter dem Mehrfamilienhaus auf, das seit Jahren niemand nutzte. „Hier könnte etwas wachsen“, dachte sie und fragte die Hausverwaltung höflich nach einer Erlaubnis.
Mit drei Hochbeeten und einer Gießkanne fing sie an. Eine Nachbarin brachte Tomatenpflänzchen vorbei, ein Herr aus dem zweiten Stock baute aus alten Brettern eine kleine Bank. Schon bald trafen sich jeden Dienstagvormittag acht, später zwölf Menschen zwischen Mangold, Kapuzinerkresse und Ringelblumen. Die örtliche Volkshochschule bot einen Abendkurs zu Kompost und Mischkultur an, den Helga sofort buchte.
Heute ist der Garten ein kleiner Treffpunkt für das ganze Viertel. Es gibt einen Tauschkorb für Samen, im Herbst ein Suppenfest unter Lichterketten, und im Sommer lernen Kinder aus der Nachbarschaft, wie eine Karotte wirklich schmeckt. Helga sagt, sie sei selten so gut eingeschlafen wie nach einem Tag mit Erde unter den Fingernägeln.
Besonders schätzt sie, dass der Garten ihren Tagen eine sanfte Struktur gibt, ohne zu drängen. Wer einmal keine Lust hat, bleibt einfach zu Hause, und die Beete warten geduldig. Dafür gibt es zwischendurch Gespräche, die früher im Berufsalltag keinen Platz hatten: über Rezepte, über Reisepläne, über Enkelkinder und über die Frage, was einem im Leben eigentlich Freude bereitet.
Was Helga gelernt hat
Man muss nichts Großes planen. Ein kleines, sichtbares Projekt direkt vor der Haustür lädt andere ein, und aus Nachbarn werden Weggefährten.














